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Der japanische Garten Drucken E-Mail

Der Japangarten - der Versuch einer Beschreibung

Japanische und chinesische Gärten sind ganz wunderbar für jeden Ihrer Besucher eine Bereicherung. Für viele schlicht ein Ausflugsziel, während es für den Schöngeist, den philosophisch angehauchten Besucher zur Meditation werden kann durch einen Japangarten zu wandern. Beide Besucher und beide Näherungsweisen möchte der Japangarten verbinden und vereinen und bietet somit eine Vielzahl von Betrachtungsweisen. Diese Intention bei der Gartenanlage hat tief religiöse Hintergründe. So ist es "Erleuchteten" möglich das Paradies an vielen Orten zu erkennen, der einfache normalsterbliche Mensch muss sein Paradies in den Gärten der Welt suchen und finden.

Die Grundzüge von japanischen Gärten

Zu Beginn jedes japanischen Gartens steht die Natur, die Ihre gewünschte Gestaltung vorgibt und schon in der Landschaft skizziert hat. Ein Grundplan des Gartens steht auf jedem Boden, jedem Stück Erde und Stein geschrieben. Die Natur wird übernommen und weitergeführt, sie wird aufgegriffen und fortgeführt und wird nie in sich selbst gestört sondern stets beachtet und geschätzt. Einschnitte in die Natur gab es dennoch schon immer. So wurden die ersten chinesischen Kaiser-Gärten in der Grösse von riesigen Parks mit einer Mauer umgeben, die das einzige Gestaltungsmerkmal des Gartens, der damals noch als Jagdrevier diente war. Die Mauer und die Natur wie sie bereits seit Jahrhunderten entstand und wuchs. Ganz charakteristisch spiegelt sich dies auch in den Laternen aus reinem Naturgranit wieder, die auf der einen Seite aus einem nur von der Natur geschaffenem Material hergestellt werden und auf der anderen Seite von Menschenhand geformt und bearbeitet werden.

Der japanische Garten als Philosophie

Dieses Streben nach dem japanischen Garten der Natur, dem ohne Eingriffe gedeienden Garten zeigt die Freude an zufälliger Schönheit, an Schönheit die ganz unbefangen wächst. Im japanischen Garten wird dies nun mit angepasster menschlicher Gestaltung verbunden, die die Natur weiterführt und an bestimmten Stellen mehr zur Geltung kommen lässt. In den verschiedenen Epochen und Entwicklungsphasen der japanischen Gartengestaltung wurden hierfür unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt die die Wirkung eines Gartens bestimmten.

Die Grundelemente der Japangärten

Ebenso wurden immer mehr Elemente einen japanischen Garten zu defenieren hinzugefügt. Der Schaffer eines Gartens versucht die sich Ihm bietenden Möglichkeiten passend im ihm zur Verfügung stehenden Raum zu arrangieren. Zu viele Gestaltungen und zu umfangreiche Bepflanzungen würden den Raum überfüllen. Hier kommt man auf den eben erwähnten Schwerpunkt im Garten zurück und entscheidet sich für den Schwerpunkt Wasser, Stein, Erde, oder Pflanzen. Es werden also die sorgsam ausgewählten Dinge so gemeinsam in Verbindung gebracht dass der Garten für das Auge mehr darstellt als er tatsächlich Platz bietet.

Mit von Menschenhand geschaffenen Dingen wie Steinlaternen, Brunnensteinen, Brücken und Wasserspielen wird versucht einen menschlichen Anteil am Garten darzustellen und den Garten auch ganz pragmatisch nutzbar zu machen. Nach der Betrachtung des Gartens an für sich muss auch die Verbindung zum Haus Hergestellt werden, um ein gemeinsames zu Hause herzustellen.

Der japanische Garten - ein Klang-, und Farbenspiel

Der wahre Künstler und wahre Gartengestalter eines japanischen Gartens bezieht nun auch noch alle schwer greifbaren Einflüsse auf die Wahrnehmung eines Gartens mit ein. Bei Wind klingt ein Garten und abgesehen von Windspielen ist zum Beispiel der Klang von grossen sich im Wind wogenden Bambushalmen ein fast meditatives Element im Klang-Garten. Plätscherndes Wasser, ein Wasserlauf oder auch ein Wasserspiel mit Holzklang bieten hingegen ein dauerhaftes und kontrolierbares Geräuschgefühl. Das Sonnenlicht ist ein weiteres wichtiges Gartenelement und ist wandelbar im Einsatz wie die Auswahl verschiedener Farben. Scheinen die Sonnenstrahlen in der Abendsonne auf einen Bachlauf ergibt sich eine überaus wünschenswerte Garten-Athmosphere. Dies bedarf jedoch der exakten Planung der Bepflanzung des Gartens und der Sonnenausrichtung selbst nach den verschiedenen Jahreszeiten.

Die einzelnen Arten des japanischen Gartens - verschiedene Gärten
Japan-Garten - Der Steingarten

Natürlich entstandener Stein und Findlinge aus den Bergen und den Flüssen bieten die verschiedensten Formen, Farben und Wirkungen. Der Gärtner bringt seine ausgewählten Steine in eine deutliche Verbindung für das Auge des Betrachters. In chinesischen Erzählungen heisst es ein Stein speichert jahrhunderte lang die Zeit in sich. Der Gärtner muss nun diese Zeit in seiner Gartenanordnung erkennbar machen. Dies geschieht in Form von einzelnen grossen Steinen, oder kleinen Steinen die zu Hauf in Flächen liegen.

Japan-Garten - Der Wassergarten

Wasser lässt sich nicht verformen oder bändigen - es wählt immer seinen eigenen Lauf und ist daher höchst bedeutungsvoll für den japanischen Garten. Der Gärtner kann es jedoch gestalten indem er es in Form eines Teiches als Spiegelbild seiner Gartenanlage nutzt. So zeigt das Spiegelbild eines mächtigen Findlings die Bewegeng des selben auf, was auch bei Steinlaternen und Steintürmen häufig genutzt wird. Ebenso kann der Gärtner das Wasser fliessen oder fallen lassen, je nach dem Wunsch nach Geräusch und Lichteinflüssen. Die Bedeutung von Wasser im japanischen Garten wird deutlich wenn man die Wellen des Wassers nachgeahmt in Form von gewellten Sandrillen sieht. Hierfür werden auch spezielle Rechen verwendet die den Sand zu Wasser formen.

Japan-Garten - Der Baumgarten

Verbunden werden im Gartenbild die bevorzugten immergrünen Gewächse, da sie die Beständigkeit der Natur wiederspiegeln. Ebenso wird jedoch mit Akzenten von blühenden Gewächsen die Endlichkeit und die Vergänglichkeit so wie die Erneuerung aufgegriffen. Durch Blüten und sich im Herbst verfärbende und abfallende Blätter weist der Baum auf den Zyklus des Lebens und der Natur hin. Bäume und Sträucher werden nicht geschnitten um sie zu unterwerfen, sondern um die natürliche Form der Gewächse zu betonen und ihnen neuen Wachstumslauf zu bieten.

 

Japan-Garten - Trittsteine, Brücken, Steinlaternen, Steinbrunnen und Buddha-Figuren

Trittsteine und Pflastersteine wurden für den einfachen Zugang zu den Teehäusern arrangiert. Neben einem sicher zu gehenden Weg konnte man gleichfalls den Weg der Gäste durch den Garten vorbestimmen. Ein grosser Trittstein wird erhöht gesetzt und mit anschließender Stufe bot dies die Möglichkeit einzelne Plätze im Garten hervorzuheben und die Gäste verweilen zu lassen. Ein weiterer sehr entscheidender Punkt ist dass der Weg nicht unangenehm ins Auge springt und das Bild des Gartens zerschneidet, sondern durch eine asymetrische Anordnung und das zwischen den Steinen liegende Grün die Natürlichkeit des Gartens unterstreicht.

Steinlaternen dienten ursprünglich fast ausschliesslich um Licht in einen abendlichen Garten zu bringen. Dies bestimmt auch Heute noch bedeutend ihre Platzierung im Garten. Man würde eine Steinlaterne nie dort aufstellen wo man nicht auch Licht gebrauchen könnte. Selbst wenn man keine Wegbeleuchtung möchte oder benötigt. An dieser Stelle darf ich jedoch anfügen dass man Licht auch als reines Gestaltungselement sehen kann und somit an beliebiger Stelle eine Verwendung für die Steinlaterne finden kann.

Steintürme sind ein Beispiel für dieses dekorative Element ohne Licht zu gebrauchen und entstammen eigentlich den indischen Stupas. In Ihrer Wirkung sind Steintürme, die stets eine ungerade Anzahl an Etagen haben äusserst vielseitig. Im Gestrüpp versteckt wirken sie wie Tempel in den Bergen weit entfernt; direkt am Wasser spiegeln sie sich durch ihre grosse Höhe wunderbar am Wasser und wirken noch grösser und beeindruckender. Ein immer häufiger verwendeter Platz für Steintürme ist ein künstlich geschaffener Hügel, da dies die Möglichkeit bietet den Turm deutlich über dem Betrachter zu platzieren und einen neuen Hauptbezugspunkt im Garten zu schaffen. Dies wird meist dort verwendet wo keine auffällige Bepflanzung vorhanden ist die zum Bezugspunkt würde.

Stein-Buddhas müssen nicht zwingend die religiöse Überzeugung des Gartenbesitzers wiederspiegeln, zeugen jedoch immer auch von Respekt gegenüber der Religion und zumindest von Offenheit gegenüber den Bekenntnissen eines Buddhisten. So ist bei der Platzierung des Buddhas im Garten eine gewisse Bedachtheit angebracht die Höflichkeit und Respekt erkennen lässt. Die Buddha-Figur sollte nicht Beleuchtet werden und nicht all zu exponiert aufgestellt werden. Beachtet man dies wird der Buddha aus Stein zu einem ganz wunderschönen Blickfang in ihrem Garten.

 

Wegweiser dienen in grösseren Gärten schlicht dazu die Gäste gezielt durch den Garten zu führen. So stehen die meist eingegrabenen Wegweiser-Laternen an Weggabelungen und etwas versteckter in den Büschen. Klassische Wegweiser wie zB Michi Shi Rube tragen Bezeichnungen, Himmelsrichtung und Städtenamen auf sich gemeiselt, die zusammen gesehen wiederum einen alten Strassennamen ergeben.

Tsukubais Steinbrunnen entstammen ebenso wie Buddha-Figuren der Religion und dienten zur Waschung vor dem Gebet. Die geringe Höhe der Steinbrunnen zwang den Besucher zur Beugung und sollte ihn zur Demut und auf das Gebet einstimmen. Zeni Bachi und Tetsu Bachi sind die bekanntesten Formen, aber auch Natursteine mit grossen Bohrungen wurden verwendet. Heute ist es durchaus gestattet ein Tsukubai-Wasserstein auch zum Händewaschen nach der Gartenarbeit zu verwenden.

 

 

Wasserspiele wie zum Beispiel Shisho Odoshi wurden früher von den Bauern verwendet um das Wild auf den Feldern zu verscheuchen. Shishi Odoshi ist eine Wippe die vom Wasser gespeist wird und dieses regelmäßig wieder ausgibt indem es durch das Gewicht des Wassers umkippt und selbiges ausgiest. Beim zurückschnellen landet der Bambus auf einem Stein wodurch das durchdringende und hölzern warme "Klack" entsteht.

Zusammengefasst spiegelt ein japanischer Garten Ihre Persönlichkeit wieder, deren Erscheinen Sie wiederum aus den vielen Bausteinen der Kunst des Gartengestaltens zusammen setzen. Sie können jedes der genannten Elemente beliebig betonen oder in den Hintergrund rücken und durch eine Vielzahl an verschiedenen Gewächsen, Steinlaternen, Buddha-Figuren und Brunnen völlig verschiedene Wirkungen erzielen und erreichen. Sie haben die Wahl verschiedener Grössen der einzelnen Elemente und können diese bei Zeiten tauschen und Wechseln in Ihrem Garten. Bereichern Sie Ihre Gartenzeit durch schlichte und einfache Formen.

 

Copyright 2007, Ralf Hildebrandt, Der besondere Garten GmbH & Co. KG

 
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